Bonifatius-Stieg

Ein Rundgang auf den Spuren von Bonifatius

 

Fulda und Bonifatius sind untrennbar miteinander verbunden.
Bonifatius lies 744 das Kloster Fulda gründen und bestimmte es u.a. als seinen Altersruhesitz.
Das Bonifatiusgrab im Dom ist Ziel für viele Besucher. Der Rundwanderweg „Bonifatiusstieg“
hat auf 4,6 km viele Bezugspunkte zu dem Leben und Wirken von Bonifatius und bietet viele interessante Ausblicke und Ruhepunkte.
An 11 Station finden Sie Informationstafeln mit historischen Einblicken.


Wegstrecke: 4,6 km
Dauer: 90 Minuten (ohne Pausen)
Stationen: 11
Rückweg zum Ausgangspunkt: ca. 1 km
 

Bonifatius-Stieg Flyer zum Download                                                                                          Fulda Aktiv Wandern und Spazieren


11 historische Einblicke

1. Kloster auf dem Frauenberg

Etwa 80 Meter über der Fuldaaue erhebt sich der Frauenberg (330 Meter), der zusammen mit dem Rauschenberg im Osten (471 Meter) und dem Haimberg im Westen (410 Meter) die Stadtsilhouette prägt. Hier oben hat Bonifatius bei seinem ersten Aufenthalt in Fulda im Mai 744 die Fortschritte beim Klosterbau überwacht und sich auch zum Gebet zurückgezogen. Von den häufigen Aufenthalten des heiligen Bischofs rührt auch der erste Name des Berges als „Bischofsberg“ her. Vielleicht wurde zu dieser Zeit schon eine Kapelle auf dem Berg errichtet. Sicher bezeugt ist der Bau einer Kirche und eines Klosters unter Abt Ratgar (reg. 802-817). Die Weihe dieser Anlage zu Ehren der Heiligen Gottesmutter erfolgte durch den Mainzer Erzbischof Richulf im Jahre 809. Durch das neue Patrozinium wandelte sich die Bezeichnung im Laufe des Mittelalters in „Marienberg“ (Mons sanctae Mariae) und später in „Frauenberg“.

Wohl im 10. Jahrhundert wurde das Kloster in ein Chorherrenstift umgewandelt und mit Weltgeistlichen statt Mönchen besetzt. Sie waren bis zur Errichtung der Stadtpfarrkirche für die Seelsorge der gesamten Talsiedlung im Umfeld des Klosters zuständig. Nach der Bildung einer eigenen Stadtpfarrei im 11. Jahrhundert gehörten zur Pfarrei Frauenberg neben der sogenannten Unterstadt (Hinterburg, Altenhof, Eichsfeld, Lengsfeldergasse) noch Horas, Niesig und Dietershan. Unter Abt Egbert erfolgte um die Mitte des 11. Jahrhunderts die Rückumwandlung des Stiftes in ein Benediktinerkloster, dem ein Propst vorstand. Dieses Kloster war so groß, dass hier Kaiser Friedrich I. Barbarossa während seines Aufenthaltes in Fulda im Jahre 1165 zusammen mit seiner Ehefrau und dem Gefolge beherbergt werden konnte. Bauliche Änderungen führten nach den Bürgeraufständen 1331/32 zu einer stark befestigten Klosteranlage, zu der seit der großen Pest im Jahre 1350 auch eine Wallfahrt führte.

Während des Bauernkriegs wurden das Kloster und die Kirche geplündert und stark geschädigt. Die fast unterbrochene Kontinuität als geistlicher Ort wurde erst wieder durch die Franziskaner belebt, die 1623 auf den Berg kamen. Eine Niederlassung dieses Bettelordens gab es bereits seit 1237 in der Fuldaer Innenstadt an der Stelle des heutigen Kaufhauses Karstadt. Diese erste Ansiedlung wurde aber nach dem Bauernkrieg von den Patres verlassen. An ihrer neuen Heimstätte wurden die Franziskaner durch den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und einen Großbrand im Jahre 1757 in Mitleidenschaft gezogen. Nach den Plänen des Franziskanerbruders Cornelius Schmitt (1712-1779) wurde die Anlage von 1758-1765 in barockem Stil neu errichtet. In den Figurennischen der Hauptfassade erinnern Sandsteinplastiken des Heiligen Bonifatius (links) und des Abtes Rabanus Maurus (rechts) an die Bedeutung des Berges im Mittelalter. Eine Holzplastik des Bonifatius findet sich auch im Inneren der Kirche auf dem von Hyazinth Wiegand (1708-1782) geschaffenen Hochaltar.

Von besonderer künstlerischer Bedeutung ist der vom Franziskanerbruder Wenzel Marx (1711-1773) 1737/38 geschaffene Stationsweg, der gegenüber dem Kircheneingang beginnt und auf den benachbarten Kalvarienberg (Nr. 3a) führt.

Die großen politischen Ereignisse des 19. und 20. Jahrhunderts machten auch vor dem Frauenberg nicht halt. In der Zeit des sogenannten Kulturkampfes war das Kloster von 1875 bis 1884 aufgehoben. Seit 1933 wurden die Fuldaer Franziskaner durch die Nationalsozialisten drangsaliert und verfolgt. Das Kloster wurde von 1940-1945 geschlossen und ein Lazarett darin errichtet. Unmittelbar nach dem Krieg konnten die Patres in das Kloster zurückkehren. Fulda war von 1894 bis 2010 Sitz der Thüringischen Franziskanerprovinz.

2. Senke zwischen Frauenberg und Kalvarienberg

Das landschaftlich reizvolle Gelände zwischen den beiden Erhebungen des Frauenbergs und des Kalvarienbergs ist wie geschaffen für die Einbettung der Landschaft in ein Kunstwerk. Der aus dem böhmischen Leitmeritz, der heutigen Partnerstadt von Fulda, stammende Franziskanerbruder Wenzel Marx (1711-1773) schuf in den Jahren 1737/38 einen spektakulären Kreuzweg, der vom Kloster Frauenberg ausgehend zunächst nach unten führt. Im Mittealter war das Gebiet um die beiden Hügel nicht bewachsen. Erst unter dem bedeutenden Forstmeister Ernst Friedrich Hartig (1773-1843) wurde am Fuße des Kalvarienbergs ein Kirschbaumwald mit einem Serpentinenweg angelegt. Im Zuge der Einrichtung der Fuldaer Wasserversorgung entstanden Ende des 19. Jahrhunderts in der Senke zwischen dem Frauen- und Kalvarienberg zwei Teiche und ein von einem Eisengitter umgebener gemauerter Wasserbehälter. Das aus Bronze gefertigte Franziskusdenkmal stammt von der Rhöner Künstlerin Agnes Mann (1907-1994).

3. Rondell

Hier bietet sich Ihnen - nach einem kleinen Abstieg und mit dem Klavarienberg im Rücken - ein freier Blick auf die ehemaligen Siedlungen Horas und Niesig sowie die markanten Hochhäuser des Aschenbergs.

3a. Kalvarienberg

Der Name dieser Erhebung, die den benachbarten Frauenberg noch um wenige Meter überragt, verdankt sie ihrer Einbettung in einen Kreuzweg, der vom böhmischen Künstler Wenzel Marx (1711-1773) geschaffen wurde und vom Frauenberg seinen Ausgang nimmt. An der zwölften Station werden die Leiden Christi am Berge Golgatha gezeigt. Umgeben von sechs Engeln mit den Leidenswerkzeugen (Hammer und Zange, Dornenkrone, Kreuzbalken, Geißelsäule, Nägel und Geißelgriffe) sind auf einem gemauerten Plateau die Kreuzigungsgruppe mit Christus, Maria, dem Apostel Johannes und der von zwei Engeln umgebenen Maria Magdalena zu sehen.

Am nordwestlichen Abhang des Kalvarienbergs war im Jahre 1930 an einem ehemaligen Basaltsteinbruch eine Freilichtbühne errichtet worden. Hier wurden in den Dreißiger Jahren Stücke des Franziskanerpaters Hyppolytus Böhlen (1878-1950) aufgeführt, darunter ein Spiel zum Andenken an die Heilige Elisabeth und ein Sturmiusspiel unter dem Titel „Das Kreuz im Eichloh“.

4. Park der Stille (Friedhof Horas)

Bis zum Jahr 1894 bestatteten die Bewohner von Horas, Niesig und Lehnerz ihre Verstorbenen auf dem Friedhof neben dem Kloster Frauenberg. In diesem Jahr legte man für die drei Gemeinden am Fuße des Kalvarienbergs eine neue Begräbnisstätte an.

5. Bonifatiuskirche

Die katholische Pfarrkirche St. Bonifatius thront mächtig am nordwestlichen Abhang des Kalvarienbergs und bestimmt das Ortsbild von Horas. Der Ort, der um 1880 gerade einmal 800 Einwohner hatte, wollte mit seinem Kirchenneubau ein Zeichen setzen. In der Nähe jener Stelle, wo Bonifatius der Sage nach gebetet haben soll (6 Bonifatiusbrunnen), plante man zu Ehren des Apostels der Deutschen eine ihm geweihte Kirche zu errichten, die aufgrund ihrer Größe die Bedeutung des Heiligen sichtbar machen sollte. Bis dahin diente eine kleine Wendelinus-Kapelle den Bewohnern von Horas als Ort ihres Gottesdienstes. 1878 sammelte man Geldspenden im katholischen Deutschland, das zu dieser Zeit noch durch die Folgen des Streits zwischen dem preußisch-deutschen Staat und dem Vatikan im sogenannten Kulturkampf geprägt war. Insofern war die geplante Weihe auf Bonifatius, der für eine enge Verbindung zum Papsttum stand, auch eine politische Demonstration.

Für den Bau gewann man den angesehenen Paderborner Dombaumeister Arnold Güldenpfennig (1830-1908), unter dessen Leitung zwischen 1881 und 1885 eine neugotische kreuzförmige Anlage mit drei Kirchenschiffen entstand. An den Namengeber der Kirche erinnern sowohl eine Steinplastik des hl. Bonifatius zwischen den Türen des Hauptportals sowie vier Ölgemälde mit seinem Portrait im Kircheninneren. Das bedeutendste stammt vom Kirchenmaler Clemens Witzel (1816-1893).

Im Jahre 1888 wurde für Horas und Niesig durch die Ausgliederung aus der Stadtpfarrei eine eigene Kirchengemeinden gebildet und St. Bonifatius zur Pfarrkirche bestimmt. Die Kapelle St. Ottilie in Niesig blieb weiter Filialkirche. Erster Horaser Pfarrer wurde der Fuldaer Stadtkaplan Adalbert Endert (1850-1906) der die treibende Kraft beim Bau von St. Bonifatius gewesen war und 1898 zum Bischof von Fulda gewählt wurde.

6. Bonifatiusbrunnen

Der Sage nach soll Bonifatius an dieser Stelle einen Brunnen mit seinem Hirtenstab aus der Erde gebohrt haben, um sich nach dem Gebet am Wasser zu erfrischen. Der Volksglaube führte schon im Jahre 1741 zur Errichtung eines malerischen Gedenkortes, der den Gläubigen die Gelegenheit zur Andacht gab. Als Bildstock in einer architektonischen Umrahmung zeigt ein vergittertes Steinrelief den heiligen Bonifatius, der vor einem Kreuz kniend sein Stundengebet verrichtet. Die darunter befindliche Inschrift lautet in deutscher Übersetzung: „Dies ist der Ort, an dem der heilige Bonifatius zu seinen Lebzeiten zu bestimmter Stunde die kleinen Tageszeiten (Horen) darzubringen pflegte, weshalb der Ort Horas genannt wird“. Seitlich daneben sind auf den Postamenten der beiden Pyramiden die Reliefs des heiligen Benedikt (links) und des heiligen Sturmius (rechts) zu sehen. Diese Komposition aus dem Ordensgründer Benedikt, dem Ideengeber für die Klostergründung Bonifatius und seinem Schüler Sturmius als Ausführender findet sich auch in einer Figurengruppe am Universitätsplatz. Dort ist die Bedeutung der Heiligen auf den Sockeln ihrer Denkmäler in einem Wort zusammengefasst. Regula (Regel) für Benedikt, Missio (Aussendung) für Bonifatius und Fundatio (Gründung) für Sturmius.

Als 1828 in ganz Deutschland für die Errichtung eines Bonifatiusdenkmals Geld gesammelt wurde, war als Standort hierfür der Bonifatiusbrunnen vorgesehen. Nach längeren Diskussionen einigte man sich aber auf den heutigen Standort gegenüber dem Stadtschloss.

7. An der Fulda

Die Fuldaaue bietet an dieser Stelle einen besonders eindrucksvollen Blick auf den Frauenberg. Man kann davon ausgehen, dass der im Auftrag des Bonifatius zur Suche nach einem geeigneten Ort für eine Klostergründung ausgesandte Sturmius auch hier vorbeikam. Der wohl aus einem bayerischen Adelsgeschlecht stammende Bonifatiusschüler hatte seinem Wunsch nach einem eremitischen Leben folgend zunächst eine Einsiedelei in Hersfeld errichtet. Doch gefiel Bonifatius die von Sturmius getroffene Ortswahl nicht. Unter Hinweis darauf, dass in der Nähe Hersfelds die „wilden Sachsen“ wohnten, forderte er ihn auf, einen entfernteren und tiefer in der Einöde gelegenen Platz zu suchen, wo er vor Überfällen sicher sei. Der Schüler gehorchte seinem Meister. Von Hersfeld aus fuhr er mit zwei Gefährten fuldaaufwärts und erreichte am dritten Tag die Mündung der Lüder in die Fulda. Die Stelle bei Lüdermünd liegt etwa fünf Kilometer flußabwärts von hier. Dort verließ sie allerdings der Mut und man kehrte um. Bei einer weiteren Erkundung kam Sturmius beim heutigen Ort Kämmerzell an die Fuldafurt, von wo aus er westlich am späteren Kloster- und Stadtbereich vorbei die nächste Furt beim heutigen Bronnzell erreichte. Hier traf Sturmius auf einen Händler aus der Wetterau namens Orcis, der auf dem Weg in das Grabfeld war und die Gegend bestens kannte, so dass er ihm die Namen der Örtlichkeiten nennen konnte. Von ihm erfuhr Sturmius, dass er sich in einem Gebiet aufhielt, dass man mit seinem alten Namen als „Eihloha“ bezeichnete. Dieses althochdeutsche Wort bedeutet „Eichenwald.

Sturmius, der bisher auf der linken Fuldaseite unterwegs war, wandte sich nach seiner Begegnung um und zog rechts der Fulda wieder nach Norden. Hier kam er über den Krätzbach an die Waides und fand an deren Unterlauf die von Bonifatius prophezeite Stelle für die Klostergründung. Vom ersten Moment an war sich Sturmius sicher, den richtigen Ort gefunden zu haben und ihm war klar, dass er diesen Moment Bonifatius verdankte, dessen Verdienste und Gebete Gott dazu veranlasst hatten, ihm diesen Platz zu enthüllen. So berichtet es zumindest die vom vierten Fuldaer Abt Eigil (reg. 818-822) verfasste Lebensbeschreibung des heiligen Sturmius.

8. Fuldaaue/Tränke

Die Fulda ist als Fluss nicht stadtbildprägend für den nach ihr benannten Ort geworden, da sie nur am Rande der heutigen Stadt liegt. Der Name „Fulda“ ist schon in den Zeiten des Bonifatius so überliefert und bedeutet vermutlich nichts anderes als „die Fließende“. Als Wasserlieferant für das Kloster war sie mit ihren kleinen Zuflüssen von ausschlagender Bedeutung für die Entscheidung, hier einen Konvent zu errichten. Dass Bonifatius und Sturmius ihr Kloster nicht direkt am Fluss bauten, war sehr wohl bedacht. Obwohl sich die Fulda an dieser Stelle, etwa 30 Kilometer nach ihrem Ursprung unterhalb der Wasserkuppe, harmlos und gemächlich bewegt, gingen von ihr immer wieder Überschwemmungen aus. Insofern waren die Klostergründer sehr gut beraten, sich erst im Abstand von etwa 400 Metern zum Flussbett und etwa 10 Meter höher niederzulassen.

Die ersten Hütten von Handwerkern und Dienstleuten, die schon bald außerhalb des Klosters im Bereich der Langen Brücke entstanden, lagen zwischen Kloster und Fluss und waren daher immer wieder von größeren Schäden betroffen. Da die Siedlungsfläche hier zu klein war, entstand die heutige Stadt auf einem Plateau südöstlich des Klosters. Die Ansiedlungen unterhalb des Klosters blieben dagegen in ihrer Entwicklung gehemmt. Der dem Fürstabt unterstellte Altenhof, zu dem auch dieses Gebiet um die Tränke gehört, sowie die dem Konvent zugehörige Hinterburg nahmen eine eigenständige Entwicklung und wurden erst 1825 in die Stadt Fulda eingemeindet.

9. Fastnachtsbrunnen

An dieser Stelle wird die Waides, die seit 1715 in einem unterirdischen Gewölbe den Domplatz durchfließt, über seitliche Brüstungsmauern in die Fulda geleitet. Hier lag die Tränke, die mit ihrem Namen an ihre frühere Funktion als Viehtränke für die fürstlichen Güter am sogenannten Altenhof erinnert.

Für die Wirtschaftsgeschichte des Klosters war der westlich davon gelegene Bereich um die heute hier vorbeiführende Kronhofstraße von großer Bedeutung. Die in der Nähe gelegene, nicht mehr erhaltene Quadmühle stand im Zusammenhang mit einer alten Bewässerung der Klosteranlage, die spätestens bei der barocken Umgestaltung der Konventgebäude aufgegeben wurde. In diesem Bereich verlief auch der Sturmius-Kanal, der das Kloster mit dem Wasser der Fulda versorgte.

Der 1991 eingeweihte Fastnachtsbrunnen stammt von dem Künstler Franz-Carl Pechwitz. Das Denkmal zeigt einen türkischen Pascha, der von Haremsdamen umrundet wird. Als Sinnbild für die Fuldaer Fastnacht verweist das Motiv auf die Karnevalsgesellschaft "Türkenbund". Dieser im Jahre 1888 begründete Bürgerverein sieht ironisch die Tränke (Trääänk) als ihren Heimathafen. Mit der Türkei hat der Fastnachtsbund, der sich bei Aufzügen in türkisch-orientalische Gewänder hüllt, nichts zu tun. Der Name ist eine Verballhornung des Türkämmerers, eines fürstlichen Bediensteten, der für die Finanzen zuständig war und hier ein Gut hatte. Aus dessen Türkammergut entstand im Volksmund die „Türkei“.

10. Bonifatiusdenkmal

Das Denkmal wurde damals mit Spenden beider christlichen Konfessionen aus dem Bürgertum und zahlreichen Fürsten finanziert.

11. Dom zu Fulda

An Stelle des heutigen barocken Domes, der nach den Plänen Johann Dientzenhofers (1663-1726) ab 1704 errichtet und 1712 geweiht wurde, stand bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts die alte Klosterkirche. Sie galt als größtes Kirchengebäude nördlich der Alpen und hatte im Laufe der Zeit zahlreiche Umgestaltungen erlebt, die durch mehrere Brände verursacht wurden. Zu Beginn stand hier die unter dem ersten Abt Sturmi (reg. 744-779) errichtete Klosterkirche mit einem Hauptaltar im Osten, der 751 zu Ehren des Erlösers durch Bonifatius geweiht wurde. Nach seinem Tod im Jahre 754 wurde Bonifatius im Westteil der Kirche bestattet. Von 791 bis 802 erfolgte unter Abt Baugulf (reg. 779-802) die Erweiterung der Kirche zu einer dreischiffigen Basilika mit einer östlichen Apsis. Ratger (reg. 802-817), der schon unter Baugulf die Bauleitung innehatte, erweiterte in seiner Amtszeit den Neubau um ein westliches Querhaus mit einer Apsis. Mit der Verlängerung der Anlage nach Westen rückte das Bonifatiusgrab in die Mitte der neuen Kirche beim Kreuzaltar. Nach Ratgars Absetzung 817 erfolgte in der Amtszeit Eigils (reg. 818-822) in den Jahren 817/18 durch den Mönch Racholf der Einbau zweier Krypten im Osten wie im Westen der Kirche. Diese Anlage wurde im Jahre 819 durch den Mainzer Erzbischof Haistulf feierlich geweiht. Anläßlich der Weihe erfolgt die Translation der Gebeine des Bonifatius von der Kirchenmitte in den Westchor. Über dem Grab des Bonifatius ließ bereits Sturmius einen mit Gold und Silber geschmückten Steinsarkophag setzen, um die Bestattungsstelle besonders hervorzuheben.

Das kultische Zentrum der Anlage war durch die Grablege des heiligen Bonifatius vom Erlöseraltar im Osten, der um 900 durch einen Marienaltar verdrängt wurde, in den Westen gerückt. Gräber gab es zu dieser Zeit im Dom wahrscheinlich nur zwei, nämlich für Bonifatius im Westchor sowie für Sturmius im südlichen Seitenschiff am Ignatius-Altar. Die in der alten Klosterkirche bestattete heilige Lioba war 838 auf den nahen Petersberg transferiert worden. In den ersten Tagen des Jahres 919 fand der erste ostfränkisch-deutsche König Konrad I. in der Klosterkirche am Kreuzaltar seine letzte Ruhestätte. Er hatte Fulda als Begräbnisort ganz bewusst ausgesucht, um in der Nähe des heiligen Bonifatius zu sein. Das Grab ist nicht mehr erhalten. Eine Gedenkplatte in der Nähe der linken Eingangstür erinnert an den König.


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